Blech Trompete verkehrt - © Anna Reich – Fotolia.com

Deutung mit Blick auf das im Blog zu Erwartende

Geschrieben von Frank Stratmann am in Über das Blog

Ganz sicher wird es in diesem Blog auch um die Themen gehen, die es im Zusammenhang mit der Trompete im Internet zu besprechen gibt. Vielleicht merkt man es diesem Artikel schon an. Ich mache das öfters. Im Internet recherchieren ist mein Job und hier eine Passion, sich in verpasste und vor allem neue Materie einzuarbeiten. Die Achtziger waren toll, aber heute würde ich Trompete anders lernen. Ganz bestimmt. Endlich macht Querdenken Spaß, weil es nötiger wird.

Wer es noch nicht getan hat, sollte alle Kapitel “Über das Blog” lesen, damit das Nachfolgende sich besser einreiht.

Ich machte mir also die Mühe und habe versucht, mich zunächst in die Beschreibung zur Portraitsammlung einzulesen. Was hat das alles mit einer Trompete zu tun? Ich muss zugeben: meine praktische Affinität zur Lyrik ist (noch) nicht sonderlich ausgeprägt. Zur Dichtung habe ich allenfalls über die Musik eine Beziehung aufgebaut. Und so gebe ich zu, dass es mir anfangs nicht leicht fiel, mich hineinzudenken, denn auch die Briefe sind in einer Sprache verfasst, die man erst einmal verdauen muss. Vielleicht habe ich die Passagen zu oft gelesen. Aber ich glaube, mich persönlich wieder erkannt zu haben. Schon im ersten Brief von Arthur Rimbaud an Georges Izambard heißt es:

Ich kann überhaupt nichts dafür. Es ist falsch, zu sagen: Ich denke; man sollte sagen: Es denkt mich.

Blech Trompete - © Anna Reich – Fotolia.com

© Anna Reich – Fotolia.com

Auch ich müsste mich für dieses Wortspiel entschuldigen, wenn das nicht schon Arthur Rimbaud getan hätte. Er wollte damit zum Ausdruck bringen, dass er nicht anders konnte. Das Gedachte kam einfach so über ihn. Er war ein konsequenter Verfechter neuartiger Gedanken, die in seiner Zeit meist von Dichtern aufgeschrieben wurden. Das Durchsetzen seines Selbstbilds war ihm wichtig. Ein Unterfangen mit dem man nicht nur zu seiner Zeit anecken konnte. Witzig, dass er seinen Satz zur Trompete zunächst ganz anders formuliert hat. Im ersten Brief nämlich so:

Ich ist ein Anderer. Was soll man machen, wenn das Holz auf einmal Violine wird? Ein Hohngelächter all den Ahnungslosen, die über Dinge räsonieren, von denen sie nicht das Geringste verstehen!

Unter “Mein Dinge”, versteht der Dichter wohl das, was er zu seiner Zeit glaubte, erkannt zu haben. Das wahrscheinlich rückwärts gewandte Räsonieren gegenüber Neuem machte ihn offenbar rasend. Das geht mir ständig so. Recht kurz gehalten im ersten Brief, geht es im zweiten Brief dann wütender zu.

Denn Ich ist ein Anderer. Wenn das Blech als Trompete erwacht, so ist es nicht seine Schuld: das ist für mich erwiesen. Ich bin bei der Entfaltung meines Gedankens nur zugegen: ich betrachte ihn, ich höre ihn; ich tue einen Bogenstrich: die Symphonie wogt in den Tiefen, oder sie springt mit einem Satz auf die Bühne

Ich bin sicher, viele, die von diesem Blog hören und die Ziele nicht verstehen, also traditionell verfangen sind, werden abwinken und nicht nur sagen: »Was soll das?« Sie werden offen darüber lästern und ängstlich reagieren, weil manches hier Geäußerte verwirrend sein wird. Rein nach dem Motto. »Musiziert wird nicht im Internet. Ich halte das für Quatsch«. Arthur Rimbaund würde Ihnen entgegnen:

Wenn diese alten Schwachköpfe etwas mehr als nur die falsche Bedeutung des Ich entdeckt hätten, so müßten wir nicht jene Abermillionen von Skeletten hinwegfegen, die (seit unendlichen Zeiten!) die Zeugnisse ihrer einäugigen Intelligenz angehäuft und sich als deren Autoren ausposaunt haben!

Ok. Ich höre gleich auf. Literaturprofis verzeihen mir bitte, dass ich das hier so konstruiere. Aber die Zeilen haben mir Spaß gemacht. Sie passen so herrlich auf das, was ich erlebe, wenn ich denke.

Die Sätze sind wohl der Versuch des Dichters, die Diskrepanz zu beschreiben, die aus seiner Sicht dadurch entsteht, dass er sich fremdgesteuert fühlt, seine Gedanken ihn überrennen und sein Wunsch diese in der Rolle des Dichters zu vermitteln, nicht anerkannt wird. Kenne ich. Das war mein erster Gedanke. Ich bin immer schon andersartig im Denken und das will ich hier im Blog zum Ausdruck bringen, wenn es um meine Person als Musiker geht. Wer schreibt der bleibt.

Ich erspare Euch an dieser Stelle die vollständige und wahrscheinlich eher konstruierte, weitergesponnene Abhandlung einer Analogie zu dem, was hier im Trompeten Blog passieren soll. Wichtig erscheint mir, dass es mit Sicherheit so etwas gibt, wie die Reichweite des musikalischen Ichbegriffs. Jeder Musiker und ganz bestimmt jeder Trompeter ist einzigartig. Und Musik ist kein Handwerk oder eine einfache Tätigkeit, sondern ganz sicher ein psychischer Zustand, zumindest dann, wenn Noten nicht einfach herunter gespielt werden, sondern mit Liebe und Sehnsucht ausgefüllt werden.

Mir ist klar, dass das nicht in jeder Lebenslage eines Musikers, vor allem wenn Musik als Hobby ausgeübt wird, gelingt. Aber das sollte den Anspruch nicht schmälern.

Zum Beispiel glaube ich, dass der Leistungsbegriff eines Hobbymusikers sich gerade neu definiert. Viele Vereine halten das repressive Erziehungsmodell für einen Hobbymusiker immer noch als gangbar. Die Achtziger waren schön. Zum Glück gibt es viele gute, neue Beispiele, um die es auch hier im Blog gehen wird. Was auf Basis der Schulpolitik diskutiert wird, ist gegenständlich für die Ausbildung von jungen Musikerinnen und Musikern. Motivation gelingt heute nicht mehr, wenn ein militärisches Grundkonzept, ererbt durch die Ausbildung in einem Musikkorps bei der Bundeswehr, auf die Struktur eines Dorfvereins übertragen wird. Aber dort soll sich auch schon einiges geändert haben.

Die Reichweite des philosophischen Ichbegriffs der Persönlichkeit eines Trompeters hätte Potenzial für eine Dissertation, wenn es denn jemanden interessiert. Wie geht es Euch dabei?

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