Jedem Kind ein Instrument - © ISO K° - photography - Fotolia.com

Jedem Kind ein Instrument – Und dann?

Geschrieben von Frank Stratmann am in Nachwuchs

Jedem Kind ein Instrument. Wie war das eigentlich bei mir? Ich kann mich wahrscheinlich nicht mehr ganz so gut erinnern. Wie ich zur Blockflöte kam, ist mir entfallen. Wie mich aber die Trompete fand und ich heute auf dreißig Jahre Trompetenspiel zurückblicken kann, weiß ich noch ziemlich genau. Ein emotionaler Meilenstein in meinem Leben.

Ich übte im Garten und spielte meiner Oma neu Gelerntes auf der Blockflöte vor. Eigentlich übte ich und meine Oma war ein sehr dankbares Publikum. Wir mussten damals Anfang der Achtziger Jahre kleine Heftchen führen, in dem wir dokumentierten, wie oft und wie viel wir in der Woche zuvor geübt hatten. Der Fleißigste wurde als Übekönig gekrönt. Ich war, wenn ich mich recht erinnere, oft genug dabei. Aber die Königswürde hielt nur kurz. Neue Woche, neues Spiel.

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Episode Trompete

Bei diesem Minutensammeln mit der Blockflöte wurde ich belauscht von unserem Nachbar, der mich ansprach und mir anbot, mit mir Nachmittags mal nach einem richtigen Instrument zu schauen. So sah er es. Natürlich wusste ich, er war der Dirigent der örtlichen Musikkapelle. Ich war zwischen sieben und acht Jahre alt. Den ganzen Nachmittag war ich nervös. Ob er sein Wort hält? Was mich wohl erwarten würde? Welches Instrument kommt am Ende dabei heraus? Denn mir war natürlich klar, dass ich das wollte.

Als die Zeit gekommen war, folgte ein Streifzug durch sein Haus. Hinter dem großen Lautsprecher im Wohnzimmer fand sich eine Posaune. Irgendwo anders eine Klarinette, wo aber das Holzblättchen fehlte. Ich hielt die Posaune gerade mal für dreißig Sekunden. Da war sie auch schon wieder weg.

Das ist nichts für Dich

Woher will er das wissen dachte ich bei mir. Nun gut. Als nächstes erinnere ich mich, dass ich eine hand-notierte Tonleiter auf einem Ständer vor mir hatte. Ein harter Einstieg. Aber die Griffe waren darunter geschrieben. Jedem Kind ein Instrument. Das war wohl auch das Credo, das sich mein Nachbar der Dirigent auf die Fahnen geschrieben hatte. Seit diesem Sommer vor genau 30 Jahren bin ich Trompeter.

Jedem Kind ein Instrument – auch heute

Die Forderung rüttelt auf, klingt sie doch ein wenig anmaßend. Doch das eigentlich gemeinte, nämlich jedem Kind eine musikalische Ausbildung zu ermöglichen, wäre wohl zu sperrig daher gekommen. Und viele tragen ein wichtiges Instrument längst bei sich. Ihre Stimme.

Das Programm „Jedem Kind ein Instrument“ wurde im Jahr 2007 von der Kulturstiftung des Bundes, dem Land Nordrhein-Westfalen und der Zukunftsstiftung Bildung in der GLS Treuhand e.V. unter Beteiligung der Kommunen des Ruhrgebiets, privater Förderer und der teilnehmenden Familien als Kooperationsprojekt der Kulturhauptstadt RUHR.2010 initiiert. Seit dem Schuljahr 2011/12 wird „Jedem Kind ein Instrument“ allein durch die Landesregierung Nordrhein-Westfalen gefördert.

Es geht also vielmehr darum, Kindern ein Angebot zu machen, Musik in Ihr Leben zu lassen und mithilfe eines Instruments für den Anspruch eine aktive Basis zu schaffen. Alle Kinder in ausgewählten NRW Grundschulen sind angesprochen. Es geht im ersten Schritt nicht um besondere Talente, die gefördert werden sollen. Talent tritt meistens sowieso erst dann zu Tage, wenn ein Kind ein Instrument in den Händen hält.

Wer wird erreicht mit JeKi

Die Stiftung “Jedem Kind ein Instrument” ist Trägerin des Programms. Es geht darum einen Rahmen zu schaffen, der die örtlichen Grundschulen mit den am Ort vertretenen Musikschulen verbindet. Seitdem Schuljahr 2007/2008 gibt es JeKi, was fast nach einer Kampfsportart klingt, wenn man es nicht besser wüsste. Mittlerweile sind 42 Kommunen des Ruhrgebiets + Lennestadt; davon aktiv. 56 Musikschulen und immerhin 659 kooperierende Grundschulen sind mit dabei. Damit werden über 60.000 Grundschüler in NRW erreicht[note Die Zahlen stammen von der Website von JeKi. Lennestadt ist dort nicht aufgeführt, aber der Sauerlandkurier berichtete im Jahre 2010 ].

Programmstandards von Jeki

Die teilnehmenden Kommunen und Musikschulen schließen einen Vertrag mit der Stiftung. Die Kommune beauftragt die örtliche Musikschule mit der Formulierung eines Unterrichtsangebots in Kooperation mit den Grundschulen vor Ort. Der erste Punkt des Programms betont, dass möglichst jedes Kind von der ersten bis zur vierten Klasse erreicht werden soll.

Die Auswahl der Musikinstrumente umfasst mindestens: Trompete, Posaune, Horn, Querflöte, Klarientte, Gitarre, Mandoline, Akkordeon, Blockflöte, Schlaginstrumente, Geige, Bratsche, Violocello, Kontrabass und mindestens zwei Instrumente aus den Herkunftsländern der beteiligten Migranten.

Vielleicht sollten sich Musikvereine und andere Institutionen, die sich mit einem ähnlichen Programm beschäftigen, die Programmstandards mal anschauen. Sicher hilft das bei der Orientierung.

Die Programmstandards können hier vollständig abgerufen werden

Jeki bleibt, der Stipendienfond läuft aus

Die gute Nachricht. Das Jeki Programm wird es auch weiterhin geben. Seit dem Schuljahr 2011/2012 wird “Jedem Kind ein Instrument” allein durch die Landesregierung Nordrhein-Westfalen gefördert.

So weit die guten Nachrichten. Leider kann die Gebührenbefreiung, die bislang über einen eigenen Stipendienfonds ermöglicht wurde nicht aufrecht erhalten werden. Familien, die Sozialhilfe oder andere Unterstützungsleistungen empfangen können nicht mehr entlastet werden. Bis 2013 läuft der Fond aus. Er vergibt keine neuen Stipendien mehr, sondern trägt nur noch bereits vergebene Stipendien.

Dennoch und das sei hier ausdrücklich erwähnt, fördert das Erlernen eines Musikinstruments die Entwicklung eines Kindes nachhaltig. Versprochen.

Lösungen in Ergänzung zu Jeki – Jedem Kind ein Instrument

Blech Trompete verkehrt - © Anna Reich – Fotolia.com

© Anna Reich – Fotolia.com

Aktuell bin ich selbst an einem Dialog beteiligt, Kinder, die sich im Programm Jedem Kind ein Instrument für die Trompete entschieden haben, weiter zu fördern. Neuigkeiten dazu hier im Blech Trompete Blog in Kürze. Ein Musikverein aus der Region hat Interesse an der weiterführenden Begleitung der Kinder aus dem Jeki Programm.

Und irgendwann ist die Grundschule vorbei und was passiert dann?

Meine oben erzählte Geschichte, wie ich zur Trompete kam, mag zwar besonders sein, aber vom Zufall geprägt. Jeki beweist: Man kann mehr tun, damit die Trompete ein Talent findet. Immerhin liegen dreißig Jahre zwischen meinem Einstieg und der Chance, die Kinder heute mit Jeki erhalten haben.

Ein erster Vorschlag für Kinder und Ihre Eltern wäre, sich an den örtlichen Musikverein zu wenden. Gerad auf dem Land, wo Jeki nicht aktiv ist, sind die Strukturen vorhanden. Und längst haben auch Musikvereine erkannt, dass Jugendarbeit ein wichtiger Dienst an der Gesellschaft ist. Natürlich auch am eigenen Verein.

Diese Vereine haben manchmal sogar selbst Vereinbarungen mit Musikschulen oder der Musikunterricht am Instrument wird selbst organisiert und durchgeführt. Abstriche sind zu machen, wenn es um die Auswahl der Instrumente geht. Eine Blaskapelle hat naturgemäß keine Geige oder einen Kontrabass im Angebot. Viele der Vereine orientieren sich im Rahmen der Ausbildungsprogramme längst an Standards, die auch geprüft werden, also ausgezeichnet werden. Dazu auch später mehr im Blech Trompete Blog.

Wer Fragen hat oder Orientierungshilfe benötigt. Ich helfe gern, wenn ich kann. Einfach eine E-Mail an mich. Am besten über das Kontaktformular auf dieser Seite.

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